Seniorenbrief 4

Sonnenblumen und Pflaumen. Ein Strauß großer gelber Sonnenblumen in einer Vase und ein Teller mit Pflaumen auf dem Tisch.

Ich hoffe sehr, dass Ihr, wenn auch zuhause und vielleicht alleine ein wunderschönes, vielleicht umso intensiveres Osterfest hattet. Vielleicht habt Ihr bei einem Spaziergang durch unsere Stadt die Osterbilder bewundern können, die große und kleine Künstler vor ihre Häuser gemalt haben. Es war eine wunderschöne „Ausstellung“. Vielleiht habt Ihr Euch aber auch am Wachsen der Kresse gefreut (ich hoff mal, dass sie schön gewachsen ist) und Euch damit den Salat verfeinert. Frühlingszeit… Freiheit… Draußensein… das Erwachen der Natur beobachten!

Das lässt unsere Seele aufatmen und bringt vieles in uns zum Schwingen. Die Natur erleben mit allen Sinnen, Sonne tanken, den Wolken nachschauen — all das sind Erlebnisse, die wir uns im Frühling wünschen.

Doch ach, da siehts grad düster aus! Für die allermeisten von Euch ist immer noch und weiterhin Drinnensein angesagt. Auch wenn uns das Allerschlimmste durch das Virus hier in Deutschland bislang erspart geblieben ist, noch ist es zu früh für Entwarnung und viel zu früh, um wieder zu unserem gewohnten Alltag zurückzukehren. Die Fahrten mit dem Altenwerk, kleinere oder auch größere Urlaubsreisen, ja selbst ein schöner Ausflug auf die Höhen hier im Südschwarzwald – das liegt in weiter Ferne.

Jetzt können wir das natürlich frustriert und ärgerlich bejammern – doch leider ändert das gar nichts! Es ist hinterher noch immer ganz genauso, nur wir sind garantiert noch unglücklicher.

Ähnliche Erfahrungen hat auch der Maler Vincent van Gogh gemacht. Seine Lösung: Er hat viele Bilder mit Sonnenblumen gemalt, manch einer hat vielleicht sogar den Nachdruck eines solchen Bildes bei sich in der Wohnung hängen. Mit den Sonnenblumen malte van Gogh gegen seine Schwermut an. Denn die Sonnenblumen verkörpern Sonne und Licht, Freude und Leichtigkeit des Lebens. Daran wollte van Gogh sich auch in seinem düsteren Atelier orientieren können. In einem Brief an seine Schwester schrieb er: „Wir haben Heiterkeit nötig und Glück, Hoffnung und Liebe. Je hässlicher, älter, boshafter, kränker, ärmer ich werde, umso mehr suche ich die Scharte dadurch auszuwetzen, dass ich meine Farben leuchtend, wohl ausgewogen, strahlend mache.“ Das Licht der (Sonnen-) Blumen bringt die Sonne in einen Raum und kann auch die Seele erhellen.

Ist das nicht eine Einladung, dem Frühling mal so hineinzulassen in unser Leben? Wir können uns tatsächlich anstecken lassen vom Licht und von den Farben der Frühlingsblumen, wir können die Sonne in unser Herz scheinen zu lassen. Wir können auch drinnen dankbar die Freude am Leben wiederentdecken: Wenn wir uns der Sonne zuwenden!

Im Sprichwort heißt es: „Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.“ Damit ist allerdings mehr gemeint als die Sonne am Himmel, die uns im Frühjahr wieder mehr Helligkeit schenkt. Und es ist auch mehr gemeint, als dass man für Frühlingsgefühle unbedingt unterwegs sein muss. Nicht nur UNTER PALMEN ist die Freude und Begeisterung an der schönen Natur vollkommen. Auch IN DEN PSALMEN wird diese Freude an der Natur gefeiert und in Einklang gesetzt mit der Freude an Gott: „Gott der Herr ist Sonne und Schild.“, heißt es in Psalm 84,12. (Und ich verrat Euch was: Das ist mein Konfirmationsspruch…)

Wenn die Rede davon ist, dass Gott, der Herr, meine Sonne ist, dann verstehe ich das so: Gott Gegenwart erhellt meine Gedanken und meinen Lebenshorizont. Sein Licht bringt eine andere Perspektive und Farbe in meine Lebenswirklichkeit. Manches, was im Dunkeln bedrohlich wirkt, schrumpft in diesem Licht. Er kann uns befreien aus unseren Dunkelheiten und unseren schwermütigen Gedanken. Lest mal nach in seinen Psalmen! Wenn wir uns nach ihm ausrichten, können wir die Schatten hinter uns lassen und sogar selbst hell strahlen für andere. Das tut gut – uns und andern, denen wir begegnen.

Ich wünsche Euch von Herzen, diesen inneren Sonnenschein – und der Früchtetee „Innerer Sonnenschein“ kann Euch vielleicht auf den Geschmack bringen.

Noch immer können wir nicht raus, zumindest nicht so wie wir das gewohnt waren und gerne tun würden. Noch immer dürfen wir uns nicht zu unseren Gottesdiensten versammeln oder zum Seniorennachmittag treffen. Aber wir wissen um den, dem wir das alles hinhalten können, es ihm klagen und ihm sogar wütend entgegenschleudern. Gott, unser Herr, versteht uns nur zu gut. Er kennt uns ja ganz genau. Und er ist, auch und grade jetzt, unsere Sonne und unser Schild. Er gibt uns Gnade und Ehre und wird uns kein Gutes mangeln lassen.


Noch dürfen wir unsere Predigten und täglichen Andachten weiterhin nur übers Internet oder die kostenlose Telefonnummer (07631-97 73 003) und nicht in der Kirche mit Euch allen halten. Aber ich freu mich schon drauf, wenn sich das in den kommenden Wochen vielleicht auch wieder ändern wird. Noch läuten auch unsere Glocken weiterhin um 19 Uhr und laden uns zum gemeinsamen Gebet – jeden von Euch in seinem Zuhause.

Mein Mann konnte am letzten Aprilwochenende nun doch zu seinem Studiensemester nach Greifswald aufbrechen. Noch sind auch seine Veranstaltungen dort nur über Video zu besuchen, aber auch er hofft, dass das bald mal direkt und persönlich gehen wird. Derweil bin ich weiter im Dienst, ansprechbar und erreichbar (Tel. 936 14 02 oder über Email  Sabine.Graf@kircheneuenburg.de).

Zögert bitte nicht, mich anzusprechen, wenn´s was gibt oder Euch auch nur die Decke auf den Kopf zu fallen droht! Denn genau dazu bin ich ja da.