Seniorenbrief Nr. 2

Wir machen Termine und Programme. Und dann kommt so ein eigenartiger Virus daher, durchkreuzt alle unsere Pläne und wirft alles über den Haufen. Das ist ärgerlich und ich finde es so schade, dass wir uns nicht zu unseren Gottesdiensten oder Passionsandachten versammeln können, dass schon wieder ein Seniorennachmittag ausfallen wird und vieles andere auch.

Und dann nennt sich mitten in dieser Zeit einer unserer Sonntage ganz frech „Lätare!“ – das heißt übersetzt „Freuet euch!“ Klingt das nicht zynisch? Wie soll man sich denn freuen angesichts der Nachrichten, die wir jeden Tag hören müssen? Wie soll man sich den freuen, wenn man die schönen Frühlingstage in der Wohnung verbringen muss?

Dieser Lätaresonntag steht unter einem Bibelwort aus Johannes 12,24:
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.

Für mich drückt er sehr viel von dem aus, was wir gerade erleben. Er spricht vom Abgeben und vom Gewinnen.

Stellen Sie sich einen Bauern vor, der im Frühjahr in seinem Kornspeicher steht. Viel ist über den Winter nicht übrig geblieben. Die Kinder haben Hunger und seine Frau wartet darauf, dass er ihr Korn bringt, damit sie davon Brot backen kann. Doch wenn sie jetzt alles aufessen, nur das sehen, was vor Augen ist, bleibt nichts mehr übrig zum Aussäen und sie werden im nächsten Winter hungern. Jetzt ist Augenmaß gefragt und Miteinander.

Er nimmt einige Hände von dem Korn in seine Schürze und trägt es zur Familie. Was sollen sie tun? Die Antwort ist klar: „Wir werden die Felder bestellen und uns das, was übrig bleibt, klug einteilen. Es wird schon reichen!“ So geht er, pflügt sein Feld und bringt den Samen aus. Sein Herz ist schwer. Er muss verzichten und seine Kinder werden in den kommenden mageren Frühjahrswochen mit Wenig überleben müssen. Dann kommt der Frühjahrsregen. Das Korn geht auf und wächst besonders üppig. Als es dann reif ist, mähen das Korn und freuen sich an der reichen Ernte. Für den kommenden Winter ist gesorgt, der Kornspeicher wird gut gefüllt sein.

Wenn sie sich im Frühjahr nicht beschränkt hätten, wäre ihnen eine reiche Ernte entgangen. Als die Ernte eingebracht ist, feiern sie alle miteinander ein Fest, voller Dankbarkeit für Gott, der sie so reich beschenkt hat.

Auch wir müssen gerade abgeben und loslassen, unsere Freiheit einschränken, liebe Gewohnheiten sein lassen, Abstand halten zu Menschen, die wir sehr gerne in den Arm nehmen würden, denen wir gerne persönlich begegnen würden. Voneinander Abstand zu halten, bedeutet in dieser Zeit, füreinander zu sorgen. Wir müssen jetzt verzichten, damit wir später dann unser Miteinander wieder genießen können.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. Johannes 12,24

Diese Worte sagte Jesus zu seinen Jüngern. Denn darin gipfelte für ihn alles, was er hier auf Erden gelehrt hat, was er an Gutem und im wahrsten Sinn des Wortes an Wunderbarem getan hat. Er kündigt auch einen Verzicht an, den auf sein Leben bei seinem bevorstehenden  Sterben am Kreuz. …wenn das Weizenkorn erstirbt, bringt es viel Frucht. Doch es schwingt noch etwas anderes mit in diesem Satz, denn hinter der Ankündigung des Kreuzes scheint auch schon ein klein Wenig seine Auferstehung hindurch.
Das ist der Hintergrund des Sonntags Laetare „FREUE DICH“. Mitten in der Passionszeit also ein zarter Lichtblick über das Kreuz hinaus, und die Aussicht, dass nach dem Leiden und Sterben etwas Neues beginnt. Also trotz aller Schwere doch ein Grund, sich ein klein Wenig schon heute zu freuen…

Vielleicht, so dachte ich mir, täte es uns aber ganz gut, wenn wir von dieses Wachsen und Fruchtbringen doch jetzt schon etwas sehen könnten. So ein klein Wenig Vorfreude schon jetzt hätten – wie dieser Sonntag Lätare auch schon etwas von der Osterfreude in die noch dunkle Passionszeit hineinbringt. Drum hab ich Euch allen ein kleines Päckchen Samen mit eingepackt in diesen Brief. Es sind zwar keine Weizenkörner sondern Kressesamen, aber die wachsen dafür auch ganz gut in der Küche. Vielleicht habt Ihr das ja früher schon mit den Kindern ausgesät und miteinander beim Wachsen zugeschaut. Ihr braucht dazu nur einen tiefen Teller, ein Wenig Watte oder auch zwei Lagen Küchenkrepp. Das legt Ihr in den Teller, feuchtet es gut an und streut den Samen dann darauf. Immer schön feucht halten! Und schon nach wenigen Tagen kann man der Kresse beim Wachsen zusehen. Nach ein bis zwei Wochen könnt Ihr schon ernten, die Kressehalme abschneiden und sie sich in den Salat oder übers Butterbrot streuen.

Ein klein Wenig Vorfreude auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen, ein klein Wenig Genuss in diesen für viele von Euch so einsamen Wochen und ein ganz kleiner Gruß von Eurem Team vom Seniorennachmittag!